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Die Zivilisation der Xiongnu: ein hoher Einsatz

Seit mehr als zehn Jahren hat die Mission archólogique francaise en Mongolie in enger Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften der Mongolei ein großes Forschungsprogramm über die Zivilisation der Xiongnu durchgeführt. Da es sich um den Versuch handelte, einen der unklarsten Punkte in der Geschichte der asiatischen Steppen im Licht der archäologischen Ausgrabungen neu zu betrachten, war der Einsatz hoch. Wir wissen nämlich, dass die Verbände der Xiongnu es im Verlauf des 3. und 2. Jh. v. Chr. schafften, sich in einem immensen Territorium zu behaupten, das von der Mandschurei im Osten bis zum Altaj im Westen etwa 3500 km und vom Bajkalsee im Norden bis zur Schleife des Gelben Flusses im Süden etwa 1000 km umfasste. Diese Vormachtstellung trug dazu bei, dass die geopolitische Karte der Region umgestaltet wurde. Als Reaktion auf diese Bedrohung suchte der erste chinesische Kaiser, der im Jahr 221 v. Chr. an die Macht kam, hinter Teilstücken der späteren Chinesischen Mauer Schutz. Seine Nachfolger, die Han, schafften es erst im Laufe des 1. Jh. n. Chr., die Macht der Xiongnu zu zerschlagen.

Da es sich offenbar nicht um eine Schriftkultur handelte, verdanken wir die einzigen Hinweise dem Han-Geschichtsschreiber Sima Qian (145-86 v. Chr.) und seinen Nachfolgern, den offiziellen Historikern am Hof. Im Kapitel 110 seiner Mémoires historiques beschreibt Sima Qian die Xiongnu ausführlich. Dennoch sind diese Dokumente, obwohl sie weiterhin kostbar bleiben, Zeugnisse, die von den Gegnern der Xiongnu verfasst wurden. Die Überprüfung vor Ort, in der Mongolei, führt dazu, dass wir zahlreiche Aussagen aus den Schriftquellen an die Tatsachen anpassen müssen. Dennoch erlauben die später in der Mongolei gesammelten Informationen, mit Ausnahme der reichen Ergebnisse, die aus den Ausgrabungen, die P. Kozlov in den 1920er Jahren in Noin Ula durchführte, hervorgegangen sind, kaum neue Hypothesen.
Unter einer wissenschaftlichen, interdisziplinären Perspektive führt die Mission archólogique francaise en Mongolie ihre Untersuchungen durch und setzt im Fahrwasser von Ts. Doržsüren die Arbeit fort, die dieser in den 1950ern begann. Das französische Außenministerium, unterstützt durch zahlreiche Institutionen, darunter die Fondation EDF und das Grimaldi Forum von Monaco, dieses Projekt. Im Bewusstsein der historischen Herausforderung haben der französische und der mongolische Präsident gleichermaßen die Schirmherrschaft über dieses Unternehmen übernommen.

Nach mehreren Ausgrabungskampagnen auf dem Gräberfeld Egijn Gol in der Nordmongolei, konzentrierte sich die Mission archéologique auf die Nekropole von Gol Mod in der zentralen Provinz Archangaj. Im darauf folgenden Jahr, 2001, begann die Ausgrabung eines Monumentalgrabes. Dieses Hauptgrab stellt eine der größten Xiongnugrabungen unserer Zeit dar. 2005 wurde in mehr als 18 m Tiefe der Boden der Grabkammer eines zweiten großen Grabes erreicht. In diesen beiden Monumenten fand sich jeweils ein Streitwagen. Inzwischen wurden rund 400 Gräber der Nekropole komplett erfasst, dreizehn Sekundärbestattungen erforscht, ältere Bestattungsplätze der Umgebung kartiert… Seit 2006 unterhält die Mission archéologique ein neues Labor in Ulaanbaatar, in dem Menschen- und Tierknochen und die geborgenen Funde untersucht, restauriert und konserviert werden. Insgesamt wurden mehr als 500 Funde aus Stein, Keramik, Metall und organischem Material ausgegraben. Ein aktueller Überblick über den Verlauf der Untersuchung und die Analyse wird publiziert.

Diese jahrelangen, in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen wissenschaftlichen Partnern durchgeführten Untersuchungen haben schrittweise dazu geführt, dass wir unsere Haltung,  dieses Volk vornehmlich als nomadisch zu betrachten, neu beurteilen müssen. Befunde wie Gol Mod umfassen große Grabausstattungen, deren Charakteristika möglicherweise auch sesshafte Traditionen verraten könnten. Was den Reichtum und die Vielfalt der Ausstattung angeht, so bezeugen sie ein internationales Handelsnetzwerk, das eine staatliche Infrastruktur unterhielt, eine Art Vorläufer des türkischen Reiches des 5. bis 7. Jh. n. Chr. oder das des Dschingis Khan (13. bis 15. Jh.).
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